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Winterkuschelwärme

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Nur bei arktischen Minusgraden kann man sich so richtig schön einkuscheln, kaminfeuerwarme Momente geniessen, Herz und Seele einfach baumeln lassen.

Noch ist der Weihnachtsschmuck nicht weggeräumt, der Glanz der Lichter nicht verblasst. Frieden und Gelassenheit ist in uns. Wir sind weise, denn wir wissen, dass es die kleinen Dinge sind, die das Leben ausmachen.

Draußen tobt ein Schneesturm. Der Winterabend malt rosa Streifen in den Himmel. Die Äste der Bäume sind mit Raureif überzogen. Die Landschaft weiß gezuckert. Wir sehnen uns nach Schweden, Orangenpunsch und „Drei Nüsse für Aschenputtel“. Das Echte zählt.

Wir wollen das Haus nicht verlassen, sondern einen großen Stein vor die Tür rollen und uns dem Winterschlaf und schönen Träumen hingeben. Alles ist friedlich und still.

Decken, Plaids und flauschige Felle halten uns warm. Den Tisch decken wir mit altem Leinen und essen heisse Kastanien und selbst gebackenes Brot. Immer halten wir einen großen Stapel Bücher bereit, damit uns der Lesestoff an diesen dunkelwarmen Tagen nicht ausgeht. Auf dem Feuer steht ein alter Teekessel. Der Winter ist lang.

Wir schmücken unsere Räume mit schönen alten Dingen. Das Porzellan meiner Grossmutter. Ein silbernes Teelicht. Es brennen viele Kerzen. Wir mögen wettergegerbtes Holz. Wir lauschen den Kerben, die vom Leben erzählen.

Wir sind ganz romantisch gestimmt. Alles ist ein Geheimnis.

Es gibt Tage, da wollen wir das Bett nicht verlassen. Wir hüllen uns in die feinen Plaids von Béatrice Laval und schmökern in Büchern über Wohndesign. In unserem Kopf lassen wir neue Welten entstehen. Die Gedanken sind frei.

Die Welt ist weiß. Wenn ich doch einmal nach draußen gehe, dann male ich Engel in den Schnee und ritze Blumen in vereiste Fensterscheiben.

Lesetipps für frostige Winterabende

Hier unsere Empfehlungen: Intensive, außergewöhnliche Romane, die ein ganz eigenes Feuer in sich tragen.

 

Eindrückliche Liebesgeschichte: Der Mann aus Zelary von Kreta Legatova

Eine junge Ärztin gerät in Gefahr, von der Gestapo verhaftet zu werden, da sie eine Widerstandsgruppe unterstützt. Sie wird in dem abgelegenen Bergdorf Zelary in Sicherheit gebracht. Eine arrangierte Heirat mit einem einfachen Holzarbeiter verhilft ihr zu einer neuen Identität.

Poetische und gleichzeitig eindringlich intensive Sprache mit überwältigenden Naturbeschreibungen. Die Autorin wurde 2002 mit dem tschechischen Staatspreis für Literatur ausgezeichnet. Das Buch diente als Vorlage für einen Film, der 2004 für den Oskar nominiert wurde.

 

Magisch: Der Schattenfuchs von Sjón

Der Roman spielt im isländischen Winter 1883. Ein Bauer und Naturforscher, ein Pfarrer, der ein dunkles Geheimnis hütet, eine tote Frau sowie ein Fuchs mit magischen Fähigkeiten – das sind die Ingredienzen einer äusserst kraftvollen, knappen Geschichte, die eine ganz eigene, nicht wirklich beschreibbare Wirkung entfaltet und tiefe Einblicke in die isländische Seele und Mythenwelt gibt. Ein Juwel ganz besonderer Art.

Sjón, mit vollem Namen Sigurjon Birgir Sigurdsson ist ein isländischer Autor und Künstler. Er wurde durch seine Liedtexte für Björk bekannt. 2001 wurde er zusammen mit Björk für das Lied „I’ve Seen It All“ in dem Film von Lars von Triers „Dancer in the Dark“ für einen Oscar in der Kategorie Bester Song nominiert. 2005 wurde Sjón für „Schattenfuchs“ mit dem Literaturpreis des Nordischen Rates ausgezeichnet.

 

Eine Liebe ohne Ende: Der Zeitdieb von Steinunn Sigurdasdottir

Alda, 37, Lehrerin, elegant, selbstbewusst und gut situiert verliebt sich in den neuen Geschichtslehrer. Sie finden zusammen, obwohl Anton bereits verheiratet ist. Die Beziehung dauert allerdings nur 100 Tage. Dann kehrt Anton zu seiner Frau zurück. Alda kann diese Liebe nicht vergessen, das Leben zieht an ihr vorüber.

Kunstvoller, lyrischer Schreibstil, der einen verzaubert und mitreißt. Der Roman ist in Form von Briefen und Tagebuch-Eintragungen verfasst. Für Romantiker, die offen sind für Gefühle und elegische Momente.

 

Verstörend: Fegefeuer von Sofi Oksanen

Aliide, eine alte Frau, die allein in einem Bauernhaus auf dem Lande lebt, findet eines Tages in ihrem Garten Zara, eine junge Frau auf der Flucht vor ihren Zuhältern. Die beiden Frauen verbindet eine gemeinsame Geschichte. Nach und nach rollt Sofi Oksanen in Rückblenden die Familientragödie einer estnischen Familie und deren Kampf gegen die Unterdrückung auf. Es geht um Liebe, Verrat und sehr viel Gewalt, die Spuren an Leib und Seele hinterlässt.

Vielfach ausgezeichneter und international gefeierter Roman. Die leidvolle Geschichte zweier Frauen wird mit der tragischen Historie von ganz Estland verwoben.

 

Immer wieder spannend: Die Krimis von Fred Vargas

Fred Vargas, ursprünglich Archäologin, ist heute die bedeutendste französische Kriminalautorin und eine Schriftstellerin von Weltrang. 2004 erhielt sie für „Fliehe weit und schnell“ den Deutschen Krimipreis, 2012 den Europäischen Krimipreis für ihr Gesamtwerk. Wir empfehlen hier die Kriminalromane mit Kommissar Jean-Baptiste Adamsberg, einem herrlich verschrobenen Charakter, der rein seinem Instinkt folgt und sich gerne mit anderen schrägen Gestalten und skurrilen Geschichten umgibt. Keine Krimis nach „Schema F“, sondern mal etwas wirklich anderes. Achtung Suchtgefahr!

  1. Band: Es geht noch ein Zug von der Gare du Nord
  2. Band: Bei Einbruch der Nacht
  3. Band: Fliehe weit und schnell

Wer noch nicht genug hat: Es gibt es noch weitere Bände!

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